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24/09/2026Geschichtliche Entdeckungsreise des Wander- und Freizeitvereins durch Achern
Geschichte einmal anders erleben – das konnten die 17 Teilnehmer des Stadtspaziergangs durch Achern. Unter der fachkundigen Führung von Bertram Sandfuchs ging es am Sonntag auf eine interessante Zeitreise durch die Geschichte der Stadt. Dabei wurde schnell klar: In Achern gibt es weit mehr zu entdecken, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Mit der Bahn startete die Gruppe am Sonntagmorgen von Zell aus in Richtung Achern. Am Bahnhof angekommen, begann der Rundgang durch die Stadt. Gleich zu Beginn gab eine Informationstafel einen Überblick über die wechselvolle Geschichte Acherns. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt stammt bereits aus dem Jahr 1090.
Besonders eindrucksvoll waren zwei Ereignisse, auf die Bertram Sandfuchs aufmerksam machte: Im Jahr 1495 wurde Achern durch einen verheerenden Brand nahezu vollständig zerstört. Jahrhunderte später, am 7. Januar 1945, richteten alliierte Luftangriffe erneut große Schäden an. Ein Großteil der Innenstadt wurde dabei zerstört. So erklärt sich auch, warum heute im Zentrum nur noch wenige historische Gebäude zu finden sind.
Eine dieser Ausnahmen ist das Klauskirchel, das älteste erhaltene Baudenkmal und zugleich eines der Wahrzeichen Acherns. Die kleine, schmucke Kirche wurde aus Flusssteinen der Acher erbaut. Trotz ihrer langen Geschichte führt sie heute neben der großen Pfarrkirche eher ein beschauliches Schattendasein.
Weiter ging es zum Gasthaus „Zur Hoffnung“. Eine dort angebrachte Informationstafel erinnert an die Badische Revolution von 1848/49. Damals trafen sich hier revolutionär gesinnte Bürger. Schon an diesem Punkt wurde deutlich, wie viele historische Ereignisse sich in den Straßen und Häusern Acherns widerspiegeln.
Nach einem etwas längeren Fußmarsch erreichte die Gruppe schließlich das wohl bekannteste historische Areal der Stadt: die Illenau.
Die Illenau – von der Heil- und Pflegeanstalt zum lebendigen Ort der Begegnung
1842 wurde die Heil- und Pflegeanstalt Illenau eingeweiht. Der Gründer Christian Roller hatte auf dem rund 14 Hektar großen Gelände eine moderne Genesungsstätte für etwa 400 Kranke geschaffen. Die Illenau galt damals als fortschrittlich und wurde zum Vorbild für weitere Heil- und Pflegeanstalten.
Eine neue Zeit im Umgang mit psychisch kranken Menschen sollte beginnen. Statt Ketten, Prügel und dunkler Verliese setzte Roller auf eine möglichst humane Behandlung und auf die Würde der Patienten.
Zu den bekannteren Patienten der Illenau gehörte der Schriftsteller Heinrich Hansjakob. Er hielt sich vom 6. Januar bis zum 28. März 1894 freiwillig in der Anstalt auf, um Hilfe wegen seines schweren Nervenleidens und seiner depressiven Schübe, die er selbst als „Schwermut“ bezeichnete, zu suchen. Aus Hansjakobs Autobiographie „Aus kranken Tagen“ vermittelte Sandfuchs immer wieder aussagekräftige Einzelheiten zu Ankunft, Behandlungen, Kosten und zum lobenden Abschied aus der Klinik Auch der Haslacher Maler Carl Sandhaas war Patient in der Illenau.
Heute befindet sich auf dem weitläufigen Gelände ein sehenswertes Museum. Natürlich ließ es sich die Gruppe nicht nehmen, dort noch tiefer in die Geschichte der Illenau einzutauchen.
Doch die Geschichte der Einrichtung hat auch ihre dunkelsten Seiten. Im Dezember 1939 endete der Klinikbetrieb. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden psychisch kranke und behinderte Menschen systematisch verfolgt und ermordet. Die Geschichte der Illenau erinnert deshalb nicht nur an medizinischen Fortschritt, sondern auch an die Schrecken und Verbrechen der NS-Zeit.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die französischen Streitkräfte das Gelände. Heute ist die Illenau wieder ein lebendiger Teil Acherns. Kommunalverwaltung und Kreisbehörden haben hier ihren Platz gefunden, ebenso Wohnungen und soziale Einrichtungen.
Besonders schön sind die Illenauer Werkstätten und die Begegnungsstätte mit dem Illenau-Arkaden-Bistro. Als Inklusionsprojekt verbindet sie Begegnung, Kreativität und gemeinsames Arbeiten. Auch das Illenau-Arkaden-Museum trägt dazu bei, die Geschichte des Ortes lebendig zu halten.
Eine wohlverdiente Pause
Nach so vielen Eindrücken kam die Pause gerade recht. Im Illenau-Arkaden-Bistro hatte der Wanderführer Plätze für die Gruppe reserviert. Bei einer gemütlichen Stärkung konnte das bisher Erlebte noch einmal besprochen werden, bevor es in die zweite Runde ging.
Diese begann mit einem Besuch des Illenauer Friedhofs. Fast wie ein Park wirkt dieser besondere Ort. Ruhe, Frieden und Stille prägen die Atmosphäre – und das nicht erst seit heute. Schon zu Zeiten der Heil- und Pflegeanstalt war der Friedhof ein Ort der Ruhe.
Anschließend führte der Weg zum Mühlbach. Ein Stück folgte die Gruppe dem Wasserlauf, bevor es durch den Stadtgarten weiter in Richtung Innenstadt ging.
Nächster Höhepunkt war die Pfarrkirche Unserer Lieben Frau. Sie wurde 1824/25 im Weinbrennerstil errichtet und wirkt von außen eher schlicht und zurückhaltend. Für ihren Bau wurden unter anderem Materialien der Oberacherner Johanneskirche und der Klosterkirche Allerheiligen verwendet.
Im Inneren gibt es dennoch einiges zu entdecken. Besonders sehenswert sind die Altäre aus Stuckmarmor sowie die Orgel von Claudius Winterhalter.
Vorbei am Brecht’schen Haus führte der Rundgang schließlich in Richtung Fußgängerzone. Auch hier wartete noch eine interessante Geschichte auf die Gruppe: Berthold Brecht, einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, verbrachte hier bei seinen Großeltern häufig seine Ferientage. Sein Großvater wurde in diesem Haus geboren.
Damit endete eine abwechslungsreiche Reise durch mehrere Jahrhunderte Acherner Geschichte. Von Stadtbränden und Kriegszerstörung über Revolution und Psychiatriegeschichte bis hin zu Kirche, Literatur und dem heutigen Leben in der Stadt – der Rundgang zeigte eindrucksvoll, wie viel Geschichte sich auf wenigen Kilometern entdecken lässt.
Und natürlich durfte zum Abschluss etwas ganz Wichtiges nicht fehlen: Nach so viel Geschichte, Bewegung und dem angenehmen warmen Wetter hatten sich alle Teilnehmer ein leckeres Eis in der belebten Innenstadt redlich verdient!
Ein herzliches Dankeschön an Bertram Sandfuchs für die interessante und kurzweilige Führung durch Achern. Es war ein rundum gelungener und informativer Ausflug, bei dem Geschichte nicht nur erzählt, sondern an vielen Stellen unmittelbar erlebbar wurde.









